ES IST GENUG! XXVII: USA – Gedanken zum Verschuldungskrieg

Von Tee, Blut und Narren:
Dummheit hat einen Namen: Tea Party Movements

Was haben der 16. Dezember 1773 und der 13. Mai 1940 gemeinsam? Sie werden benutzt. Am 16. Dezember 1773 warfen als Indianer verkleidete Bürger Bostons Tee von drei im Hafen liegenden Schiffen der East India Trade Company in den Bostoner Hafen, um gegen eine der letzten, die Kriege, in die Großbritannien verwickelt war, finanzierenden Steuern des britischen Parlaments auf Importe in die amerikanischen Kolonien zu protestieren. Die Boston Tea Party führte letztlich zum Unabhängigkeitskrieg zwischen Großbritannien und den Kolonien. Am 13. Mai 1940 war der Zweite Weltkrieg im vollen Gange; Hitler hatte Polen überfallen und drang über Belgien und die Niederlande nach Frankreich vor als Winston Churchill seine “Blood-toil-tears-and-sweat”-Rede hielt: “We shall defend our island, whatever the cost may be, we shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender”.
Auf beide Ereignisse berufen sich heute verschiedene Tea-Party-Movements in den USA, die das republikanische Lager infiltriert und dessen Sinne verwirrt haben. Auf den Namen Tea Party, weil es ihnen vorgeblich um die Steuereinnahmen des Staates geht, die der dann für Arme, Ungebildete und Kranke wieder aus dem Fenster wirft, auf Churchills Rede, weil sie es als ihre patriotische, eher aber idiotische, Pflicht (oder sind das Synonyme?) ansehen, den Kampf gegen eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete Politik anzuführen, die ihrer Meinung nach mehr die Bezeichnung “sozialistisch” als demokratisch verdient.
Ihr Kampf richtet sich nicht gegen Steuern an sich, denn die “group of like-minded people who desire our God given Individual Freedoms” unterstützt durchaus die kriegerischen Ambitionen gegen Terroristen oder ein härteres Vorgehen im Irak, in Afghanistan oder gegen den Iran oder Syrien; die frühere Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, wünschte sich gar einen Oberkommandierenden statt eines Präsidenten. Sie haben auch sicher nichts gegen die Verwendung von Steuergeldern, um ein teures Bürger-Überwachungssystem zu finanzieren, das „our God given Individual Freedoms” schützt.
Sie haben aber etwas gegen die staatliche Finanzierung, das bedeutet, gemeinschaftliche, solidarische Finanzierung eines Gesundheitssystems für Menschen, die in der freien Marktwirtschaft, die nur Gewinner und Verlierer kennt, keine Chancen mehr haben. Ihre Anklage, dass der Staat überschuldet sei und sich immer weiter – wie viele andere westliche Länder auch – überschulde, richtet sich an eine Regierung, die einem großen Teil der Bevölkerung vermeintlich unverdient Wohltaten zukommen lässt, die versucht, ein gewisses Maß solidarischen Gedankenguts in den neoliberalen Sumpf einfließen zu lassen.
Dass die Überschuldung auf die aberwitzigen utopistischen Versuche, einen so genannten Krieg gegen den Terrorismus zu gewinnen und Staaten des näheren und mittleren Ostens mit militärischen Mitteln in demokratische zu verwandeln – was im Grunde nur Versuche sind, sich geopolitische Vorteile im globalen Ressourcenkampf zu verschaffen -, zurückzuführen sind, kommt den rechten Tea-Party-Teilnehmern nicht in den Sinn. Sie verwechseln gerne Ursachen und Wirkungen und logische Zusammenhänge wie die kleine Haselmaus in Alice in Wonderland wenn sie sagt: „;I breathe when I sleep’ is the same thing as ‚I sleep when I breathe’“. So haben die verschiedenen Tea-Party-Bewegungen mehr gemein mit der Mad Tea Party als dem historischen Ereignis vor etwa 240 Jahren und man möchte mit Alice sagen: „At any rate I’ll never go THERE again! […] It’s the stupidest tea-party I ever was at in all my life!“.

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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ES IST GENUG! XXVI: Dünnes Stimmchen (Zur Erinnerung vor der Wahl)

Aufschrei, Raunen, Verständnislosigkeit bestimmten einst die Gazetten: „die Pressefreiheit ist in Gefahr“. Der ZDF-Verwaltungsrat hatte dem Journalisten Nikolaus Brender die Stimmen verweigert, weitere Jahre Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens zu sein.
Im Feuer oder Strohfeuer des Gefechts: (der jetzt gewesene) Ministerpräsident Roland Koch, der süffisant erklärte, die Entscheidung gegen Brender habe nichts mit Politik zu tun. Dann, was er tut, auch nicht, sondern mit Volksverdummung. Zumindest lieferte er erneut einen Beweis, wie selbstherrlich, wie totalitär Politik auch in einer Demokratie sich verhalten kann, wenn nur genügend Machtpotential und –willen auf Seiten der Politiker und Ohnmacht auf Seiten des Volkes vorhanden ist. Ob mehrere Staatsrechtler Bedenken anmelden, die Presse schlaue Artikel verfasst, Menschen Unterschriften sammelten – wen kümmerts, Koch in keinem Fall. Und die Aufregung ist schnell vergessen. Ein paar scharfe Pointen in Satiremagazinen und dann ist Schluss – es warten neue Aufreger, die vergessen werden wollen.
Das geht aber nicht nur einem unbequemen Journalisten so. Politik hat, nein, nicht so unpersönlich, die Politiker haben die Verbindung zum Volk gänzlich verloren, was zählt, sind die Einflüsterungen von Wirtschaftsmagnaten und Volks- und Betriebswirtschaftler. Versprechen an das Volk sind vor den Wahlen schnell und gerne gemacht, nach den Wahlen schnell und gerne wieder gebrochen: Da werden dann aus der Nichterhöhung der Mehrwertsteuer plötzlich drei Prozent, die Rente mit 67 wird nicht erst in zehn Jahren eingeführt, sondern gestaffelt schon jetzt (über deren Sinnhaftigkeit darf man schon nicht mehr diskutieren, das ist dann politisch unkorrekt), die Regulierung der Bankgeschäfte und die Kontrolle der Banker wird mal eben vergessen. Versprechen, die man halten kann, sind besonders gerne die, die unter dem Deckmantel der Steuererleichterung wieder zur Abzocke des Volkes führen, indem sie entweder spätere Generationen extrem belasten oder zur Einführung neuer Abgaben führen. Wichtig ist dabei, dass die Leistungsträger unserer Gesellschaft, die Banker, Manager und Großarbeitgeber daran verdienen und dass man mal ein Versprechen gehalten und den dummen Wählern Sand in die Augen gestreut hat.
Das Volk hat keine Stimme mehr, die gibt es ja auch alle vier oder fünf Jahre ab, in die Hände der Politiker. Zu den großen Themen hat es sowieso nichts mehr zu sagen: Klimakatastrophe, Überbevölkerung, Demoskopie, Renten, Gesundheit, das Volk schaut zu. Lässt sich gerne von dümmlichen Fernsehserien und -shows einlullen. Die, die auf die Straße gehen und demonstrieren, sind Radikale, die vor den Fernsehapparaten sitzen und sich noch die Nachrichten ansehen und stumm ärgern, haben nur noch nicht verstanden.

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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ES IST GENUG! XXV: Die unerträgliche Dummheit des Seins 5

… Doch damit nicht genug (könnte eine Fortsetzung werden). Schauen wir kurz über den großen Teich: in die USA. Ein distanzierter Blick aus der Ferne lässt so manches in der Nähe deutlicher erscheinen. Dort hat, mit wenigen Ausnahmen, die totale Verschmelzung von Politik und Medien, besser: die Vereinnahmung der Medien durch die Politik, schon stattgefunden. Der Fernsehsender FOX ist mit seinem Volksverhetzer und Brandstifter Glenn Beck (seltsam – ein wenig Polemik sei erlaubt – auch er hatte wie Bush in seiner Jugend Alkoholprobleme, die er selbst löste und dann zu einer religiösen Sekte, den Mormonen, konvertierte) zum Propagandaorgan der so genannten Tea-Party-Bewegung degeneriert. Ein Konservativer im schlechtesten Sinne, der sich über zu viel Staat erregt, obwohl es gerade die Konservativen waren und immer noch sind, die die demokratischen USA zu einer Überwachungsdemokratur verkommen ließen, in der jede Art von Wohlfahrt unerwünscht ist und Habgier und Eigensucht freier Lauf gegeben wird – getreu dem Motto: nach mir die Sintflut! Zum Glück gibt es viele Gegenstimmen, viele Kritiker, viele, die sich satirisch mit Beck auseinandersetzen. Die kommen aber nicht aus der Medienzunft.
Doch damit nicht genug… Doch, genug!
Verdummung kommt von Außen. Doch wir verdummen uns auch selbst, weil wir mitspielen, Brisant Menschen – das Magazin hallo Deutschland exklusiv… fernsehen, Entbehrlichkeitslektüre lesen und uns verführen und blenden lassen. So werden wir, wie sie uns wollen und machen. [Ende]

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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ES IST GENUG! XXV: Die unerträgliche Dummheit des Seins 4

… Doch damit nicht genug. Auch demjenigen, der dem Fernsehabend entflieht und sich in eine der Supermarkt-Discount-Buchhandlungen verirrt, begegnet die Verdummungsfalle: Paletten voller roter Sarrazins (das Rot bezieht sich nicht auf seine Noch-Mitgliedschaft in der SPD, sondern auf den Buchumschlag, der Discount-Werbung pur ausstrahlt) und autobiografischer Entbehrlichkeiten der Bohlens, Beckers, Hambüchens, in denen sich zwischen zu wertvollen Papierseiten gepresst das findet, was in Brisant Menschen – das Magazin hallo Deutschland Exklusiv Starmagazin Leute Heute Extra – Das Magazin … schon kolportiert wurde und in Bunte, Life & Style, Gala und anderen unwichtigen Wochenzeitschriften, die meist auch im Eingang zur Buchhandlung angeboten werden, Wiederholung findet. Daneben Kochbücher der bekannten Fernsehköche und Ratgeber, die auch gerne mal in Brisant Menschen – das Magazin hallo Deutschland… vorgestellt werden, darunter auch ein schönes Exemplar, das uns endlich erklärt, was sich hinter unseren Namen verbirgt: der Dieter ist ein Aufreißer (hier gilt wohl das: „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen usw. sind ganz zufällig“ nicht), Udo ein Macho und die Uschi immer selbstbewusst … [Fortsetzung folgt]

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ES IST GENUG! XXV: Die unerträgliche Dummheit des Seins 3

… Und die Medienmacher? Die machen. Das Notwendige. Das, wovon sie meinen, das Volk möchte es. Und es nimmt es. Es nimmt es hin: Die dümmlichen Soaps, Dokusoaps, Comedies, die schmalzenden Telenovelas, die Hundertste Pilcher-Verfilmung, die schwätzenden Talktouristen. 24 Stunden sind zu füllen. Laien spielen Reality-Shows, posen Dramen, verkaufen sich an Supershows (früher sagte man, sie machen sich zum Affen). Und das Volk, nein, das Publikum feiert die sich mühenden Dilettanten, stilisiert Nichtskönnen zur Kunst. Das verdummte, jetzt dumme Publikum erfreut sich am Gemachten. Die Macher an der Quote. Von ihr leben die Fernsehformate, die Talk-Soap-Novela-Shows, man muss sie, wie ehedem die Tamagotchis, pflegen, durch einschalten des Senders, schaltet man weiter, sterben sie ein wenig. Der Zapper ist ein potentieller Killer, schaltet niemand mehr ein, sterben sie. Aber das ist Illusion. Die Macht der Dummformate ist allgegenwärtig, regelrechte Dummheitsbombardements gehen auf die Zuschauer nieder; ein typischer Fernsehwochenverlauf (nur Auszüge), sporadische, aber immer wiederkehrende „Highlights“ wurden auch berücksichtigt: Brisant, Menschen – das Magazin, hallo Deutschland, Grand Prix der Volksmusik, Die Autohändler, Familien im Brennpunkt, Die Schulermittler, Betrugsfalle, Explosiv Weekend, Eine wie keine, Anna und die Liebe, Zwei bei Kallwass, Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold, Anne Will, Das große Abnehmen, Wir retten ihren Urlaub! Einsatz für den RTL-Fernsehreporter, Sechserpack, Die dreisten Drei – Die Comedy WG, Zack! Comedy nach Maß, Verbotene Liebe, Marienhof, Beckmann, Leute Heute, Extra – Das Magazin, Verdachtsfälle, Britt, Sturm der Liebe, Rote Rosen, Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Raus aus den Schulden, Die Super Nanny, Hanna – folge deinem Herzen, Alles, was zählt, Die Küchenschlacht, Exklusiv, Starmagazin, Die Oliver Pocher Show, Hausmeister Krause; dazu ein Mix zahlloser Kochshows und die unvermeidlichen Supertalent-, Supermodell-, Superstar-, Superpopstar-Shows – alles in allem: ein riesiger dummer und verdummender Serienbrei, dessen Inhalte sich als Realität, als wahres Leben in unsere Köpfe ergießen und das Selbstdenken ersticken … [Fortsetzung folgt]

© 2013 Dr. Norbert Gramer

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ES IST GENUG! XXV: Die unerträgliche Dummheit des Seins 2

… Jene belügen uns offen, faseln von Alternativlosigkeit, die nur ihre eigene Borniertheit spiegelt, machen uns glauben, Milliarden an die Banken seien systemnotwendig, sie und der unterirdische Bahnhof in Stuttgart und ein Stadtschloss in Berlin und Dronen und, und, und seien lebensnotwendig, um weltwirtschaftlich mithalten zu können, um dem Götzen Wachstum weiter huldigen zu können, lächeln uns frech ins Gesicht, wenn sie Lobbypolitik betreiben, ob im Gesundheits- oder Energie- und Umweltwesen, und sprechen von Revolutionärem, alles sei nur fürs Volk – und saugen es nur weiter aus, um sich selbst, ihre Lobbyisten und Manager mästen zu können. Und dreist meinte seinerzeit der Rote-Schal-Träger, modisches Accessoire als Reminiszenz an vergangene, schon immer erlogene Volkesnähe, Müntefering, es sei nicht gerecht, wenn man das Handeln der Politiker an ihren Wahlversprechen messe, Politiker sind legitimiert zu Lügen, um ihre Macht- und Habgier zu erhalten, das Volk legitimiert, dumm zu sein, jede Lüge hinzunehmen … [Fortsetzung folgt]

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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ES IST GENUG! XXV: Die unerträgliche Dummheit des Seins 1

Sie haben im Grunde ja alle Recht, die Dame und auch die Herren Klaus Norbert und seine Einflüsterer, Frank Schirrmacher in Payback auch, obwohl Norbert ihn nicht mag und zu den Verdummern zählt, Jürgen Roth mit seinem Deutschland-Clan oder Bettina Gaus über die scheinheilige Republik und ganz besonders Thomas Wieczorek, der die Republik nicht nur scheinheilig, sondern auch verblödet sieht. Sie haben alle Recht. Die Dummheit kommt von Außen. Sie infiziert wie eine ansteckende Krankheit. Aber bei jedem Schnupfen, bei Grippe, einem Darminfekt – der hat die größte Ähnlichkeit mit der vermittelten Dummheit – rennen wir zum Arzt, zum Apotheker und fragen nach einem Mittel, nach Linderung, nach Heilung. Warum nicht beim Dummheitsinfekt? Den genießen wir noch. Deshalb halten uns auch Politiker und Medienmacher, die vom Fernsehen und Radio ebenso wie von Online-Redaktionen und Buchverlagen, für dumm … [Fortsetzung folgt]

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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Zurück in die Zukunft: Grüße aus 1984

Abhören und Überwachen, Daten speichern und kopieren. Eine Lieblingsbeschäftigung aller Regierungen. Doch alles nur, um den Bürger zu bewahren: vor Terroristen, vor Bandenkriminalität, vielleicht sogar vor dem erdachten Bösen an sich – leider nicht vor übereifrigen Politikern, die die Bürger vor sich selbst schützen wollen. Wenn die Überwachung alle betrifft, sind auch alle verdächtig. Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils? Heute gilt: Schuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Der Bürger ist der Verdächtige, der zu durchleuchtende, der, der potentiell alles in sich trägt, vor allem den Ungehorsam gegen die Machthaber, oder williges Schafsein. Schafe werden auch beobachtet, sind aber unverdächtig. Mögen es vielleicht auch, beobachtet zu werden. „Ich hab‘ doch nichts zu verbergen“, säuselt der dumme Smartphonegläubige. Brave Fremdexhibitionisten, willig Überwachte. Sie haben nichts zu verstecken, auch nichts zu sagen – aber freiwillig.
Die Freiheit wird von Schafen und paranoiden Überwachern gemeinsam zu Grabe getragen.

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
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„Schattenspiele“: Der Gott. Die Beweise: Der Un-Sinn? (9: Schluss)

9. Fortsetzung aus:
Schattenspiele. Von der Entbehrlichkeit der Religionen, ein fiktives Gespräch zwischen Johann Marx (*1846 – …1906), Friedrich Nietzsche (*1844 – …1900), Arthur Schopenhauer (*1788 – …1860), Thomas Paine (*1737 – …1809) und Ludwig Feuerbach (*1804 – …1872) während einer ebenso fiktiven Fernsehdiskussion. Gefunden bei http://www.xinxii.com/schattenspiele-p-336356.html

„… Spaemann verbindet aber nicht nur ein in der menschlichen Entwicklungsgeschichte entstandenes, von gesellschaftlichen Einflüssen abhängiges, wandelbares sprachliches Ordnungsprinzip, die Grammatik, mit der Vorstellung einer unveränderbaren Wahrheit in einem erdachten göttlichen Bewusstsein, sondern er benutzt für diese Verbindung ein grammatisches Tempus, das sich insbesondere im indogermanischen, westeuropäischen Sprachraum entwickelt hat. Damit bestimmt er auch den Ort der Wahrheit: der Kulturkreis des monotheistischen Ursprungs. Eine einstige Wahrheit kann als Erinnerung nur in einem einzigen Bewusstsein aufgehoben werden. Wahrheit ist nicht spaltbar.
Aber was beweist Spaemann? Ist das, was er vorträgt, ein Beweis, der letzte, wie der Titel es Buches verspricht?
Naiver geht es wohl nicht mehr. Das Letzte.
Nein. Der Titel ist ein Werbegag. Wie so oft verspricht die Verpackung mehr als drin ist. Wäre der Titel nicht so marktschreierisch, hätte das Buch wohl kaum Leser gefunden – und wir würden uns nicht so lange damit beschäftigen.
Schon viel zu lange.
Spaemann und auch sein Kommentator, Rolf Schönberger …
Wer?
wissen, dass das Versprechen, einen Gottesbeweis zu liefern, nie eingelöst werden kann. Beide setzen, wie alle Beweisführer vorher, das Sein Gottes voraus – letztlich führt jeder Beweis auf den Satz Jaspers hinaus, den Schönberger auch zitiert: „Das Gott ist, das ist genug“ …
Das Problem ist nur, dass dieses „Basta“-Argument so viel Wohlwollen erfährt, dass der ähnliche, aber negativ gewendete Satz: Dass Gott nicht ist, das ist genug, tödlich sein kann. Ersteres Argument bleibt unantastbar: weil Gott selbst die Idee seiner Existenz ins menschliche Bewusstsein gepflanzt hat, weil viele schlaue Menschen und die Masse an ihn glauben, wegen des so genannten Substitutionszwangs bei seinem Wegfall, weil er notwendig ist, um Wahrheit, einzige Wahrheit zu denken. Viele Weils, keines ist zu beweisen. Letztlich führt auch jedes Weil, das einen Beweis suggeriert, nur zur simplen Feststellung: „Das Gott ist, das ist genug“. Ein unerträgliches Absolutum, das jede Diskussion um Gott bestimmt. Ein totalitäres, ausschließendes Absolutum: Wer an Gott glaubt, ist grundsätzlich im Recht.
Es sei denn, man glaubt gerade an den falschen.“ (Schluss)

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„Schattenspiele“: Der Gott. Die Beweise: Der Un-Sinn? (8)

8. Fortsetzung aus:
Schattenspiele. Von der Entbehrlichkeit der Religionen, ein fiktives Gespräch zwischen Johann Marx (*1846 – …1906), Friedrich Nietzsche (*1844 – …1900), Arthur Schopenhauer (*1788 – …1860), Thomas Paine (*1737 – …1809) und Ludwig Feuerbach (*1804 – …1872) während einer ebenso fiktiven Fernsehdiskussion. Gefunden bei http://www.xinxii.com/schattenspiele-p-336356.html

„… Warum macht er überhaupt den Umweg über die Wahrheit, die Wahrhaftigkeit und das Wollen des Erkennens; er setzt Gott voraus, das ist alles, das sagt er in einem Nebensatz.
Ich sagte ja: philosophische Mottenkiste. Das gibt seiner Argumentation etwas Erhabenes, auch Wissenschaftliches.
Vielleicht wäre sein Beweis ohne den Umweg noch schmaler ausgefallen. Ein Buch aus zwei Seiten Behauptungsbeweis wäre schon etwas dürftig.
Man hätte den Kommentar ja noch etwas länger machen können.
Was bemüht er aber, um seinen Beweis (?) zu vollenden?
Die Grammatik!
Spaemann behauptet ganz einfach, dass die grammatische Form des Futurum exactum, die notwendigerweise Zukunft und Gegenwart miteinander verknüpft, indem sie vergangene Wirklichkeit im Erinnern aufbewahrt, das Sein eigener Wahrheit im Zukünftigen bedingt, denn „das Gegenwärtige bleibt als Vergangenheit des künftig Gegenwärtigen immer wirklich“. Vergangenes, so argumentiert er, hat seine „Wirklichkeit eben im Erinnertwerden“; und weil er nicht, nicht wir, denken kann, dass gewesene Wirklichkeit zukünftig seine Wirklichkeit verliert, muss die Erinnerung an Vergangenes in einem absoluten Bewusstsein aufgehoben sein – in einem Gott.
Er treibt also den Anthropozentrismus auf die Spitze.
Ja! Die Grammatik hat sich im Laufe der Sprach- und Sprachenentwicklung gleichsam evolutionär – böses Wort – entwickelt; wir wissen nicht, ob im Tierreich verwendete Sprachen auch einer Grammatik folgen. Jedenfalls ist die, die das Futurum exactum beinhaltet, menschlichen Ursprungs, wobei insbesondere die Sprachen, die unter dem Einfluss des Lateinischen standen und stehen, auch das Futurum exactum kennen, wenn auch teilweise mit verschiedener Bedeutung. Uramerikanische Sprachen kennen es zum Beispiel erst nach der Einführung des Spanischen.
So könnte man sagen: Kulturen, in denen sich Sprachen ohne Futurum exactum entwickelt haben, sind gottlos, verlieren sich – wie nichtmenschliches, grammatikloses Leben auch – in der Erinnerungslosigkeit …
“ (Fortsetzung folgt)

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