Kriegsschauplatz oder wieder in der Heimat

Zurück. Entspannt. Die Gedanken hängen noch an Stränden, Bergseen, ruhigen Spaziergängen, gemütlichen Fahrten durch bezaubernde oder atemberaubende Gegenden – vorbei.
Ein überholender BMW, dicht gefolgt von einem ehrgeizigen Golf und einem selbst bei 180 Std/km lichthupenden Audi jagen sich über die dritte Fahrspur der Autobahn, blinken jeden Trödler, also Richtgeschwindigkeitsfahrer, von ihrer Spur – spätestens dann ist gewiss: Man ist wieder im Land der Freien, der libidinös mit ihrem Auto Verbandelten.
In Deutschland, dem Land der unseren, dem Land mit unserem Volk, wird vieles reguliert. Baum und Strauch im Garten müssen wissen, dass sie nur eine bestimmte Höhe erreichen dürfen oder eine zu große Annäherung an das Territorium des Nachbarn nicht erlaubt ist; Die Schrägen und Farben der Dächer, die Größe und Dicke der Fenster, die Entweichung der Warmluft, die notwendigen Umweltschutzbestimmungen sind festgeschrieben. Bauvorschriften sind wie ein Korsett, reglementieren jeden Zentimeter eines Baus.
Ein kompliziertes Abgaben- und Steuergeflecht durchdringt jeden noch so kleinen Verdienst, je größer der Verdienst, oder besser Gewinn, desto größer allerdings sind auch die Löcher im Geflecht.
Das gesamte Leben ist eingezwängt in ein umfassendes administratives Regelwerk, es gleicht den Vorschriften einer rigiden, fundamentalistischen Religion mit fleißigen Beamten als Wächter.
Nur der Straßenverkehr – aber auch die Vorschriften, die erwirken sollen, dass Fahrzeuge nicht zu viel Umweltschaden anrichten – gleicht einem ungezügelten Paradies, in dem es ein paar unverbindliche Leitlinien gibt. Produzenten dürfen ungestraft lügen und betrügen, die Politik hält eine schützende Hand über sie; die Konsumenten dürfen die gefühlte letzte Freiheit im sonst durchgeregelten Leben ausleben und ihre innersten Bedürfnisse befriedigen: Sie rasen, beleidigen, bedrängen, filmen und fotografieren Unfallverletzte oder –tote, behindern und belästigen Rettungskräfte und verteidigen die Freiheit, auf der Straße so zu sein, wie sie wollen – rücksichtslos.

Da wünscht sich so mancher eine ruhige Bahnfahrt – oder, in das andere Land der Freiheit, in das vielbesungene „Land of the free“.

Aus: Tanzbären und Stabpuppen. Vom alltäglichen, politischen und religiösen Wahnwitz. (im Folgenden: Tanzbären).
Rubrik: Alltägliches oder „Ich, Ich, Ich vor Du“ – Unterwegs.
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt
ISBN: 978-3-752-88675-7

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