ES IST GENUG! XXVI: Dünnes Stimmchen (Zur Erinnerung vor der Wahl)

Aufschrei, Raunen, Verständnislosigkeit bestimmten einst die Gazetten: „die Pressefreiheit ist in Gefahr“. Der ZDF-Verwaltungsrat hatte dem Journalisten Nikolaus Brender die Stimmen verweigert, weitere Jahre Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens zu sein.
Im Feuer oder Strohfeuer des Gefechts: (der jetzt gewesene) Ministerpräsident Roland Koch, der süffisant erklärte, die Entscheidung gegen Brender habe nichts mit Politik zu tun. Dann, was er tut, auch nicht, sondern mit Volksverdummung. Zumindest lieferte er erneut einen Beweis, wie selbstherrlich, wie totalitär Politik auch in einer Demokratie sich verhalten kann, wenn nur genügend Machtpotential und –willen auf Seiten der Politiker und Ohnmacht auf Seiten des Volkes vorhanden ist. Ob mehrere Staatsrechtler Bedenken anmelden, die Presse schlaue Artikel verfasst, Menschen Unterschriften sammelten – wen kümmerts, Koch in keinem Fall. Und die Aufregung ist schnell vergessen. Ein paar scharfe Pointen in Satiremagazinen und dann ist Schluss – es warten neue Aufreger, die vergessen werden wollen.
Das geht aber nicht nur einem unbequemen Journalisten so. Politik hat, nein, nicht so unpersönlich, die Politiker haben die Verbindung zum Volk gänzlich verloren, was zählt, sind die Einflüsterungen von Wirtschaftsmagnaten und Volks- und Betriebswirtschaftler. Versprechen an das Volk sind vor den Wahlen schnell und gerne gemacht, nach den Wahlen schnell und gerne wieder gebrochen: Da werden dann aus der Nichterhöhung der Mehrwertsteuer plötzlich drei Prozent, die Rente mit 67 wird nicht erst in zehn Jahren eingeführt, sondern gestaffelt schon jetzt (über deren Sinnhaftigkeit darf man schon nicht mehr diskutieren, das ist dann politisch unkorrekt), die Regulierung der Bankgeschäfte und die Kontrolle der Banker wird mal eben vergessen. Versprechen, die man halten kann, sind besonders gerne die, die unter dem Deckmantel der Steuererleichterung wieder zur Abzocke des Volkes führen, indem sie entweder spätere Generationen extrem belasten oder zur Einführung neuer Abgaben führen. Wichtig ist dabei, dass die Leistungsträger unserer Gesellschaft, die Banker, Manager und Großarbeitgeber daran verdienen und dass man mal ein Versprechen gehalten und den dummen Wählern Sand in die Augen gestreut hat.
Das Volk hat keine Stimme mehr, die gibt es ja auch alle vier oder fünf Jahre ab, in die Hände der Politiker. Zu den großen Themen hat es sowieso nichts mehr zu sagen: Klimakatastrophe, Überbevölkerung, Demoskopie, Renten, Gesundheit, das Volk schaut zu. Lässt sich gerne von dümmlichen Fernsehserien und -shows einlullen. Die, die auf die Straße gehen und demonstrieren, sind Radikale, die vor den Fernsehapparaten sitzen und sich noch die Nachrichten ansehen und stumm ärgern, haben nur noch nicht verstanden.

© 2013 Dr. Norbert Gramer

Auszug aus dem Buch:  Ich vor Du oder ES IST GENUG!
Video zu “Ich vor Du oder Es ist Genug”

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